Pinot
Gallizio
1902
geboren in Alba. Chemie- und Pharmaziestudium in Turin, 1930
Rückkehr nach Alba und Eröffnung einer eigenen Apotheke. 1944-45
Partisanenkämpfer in Alba und den Langhe, Mitglied der CLN Langhe. 1945-60
kommunalpolitische Karriere. Als Stadtrat setzt sich Gallizio stark für
die in Alba campierenden Zigeuner ein. 1953 Begegnung mit dem
italienischen Künstler Piero Simondo. Erste Experimente mit Pechplastiken
und Bildern aus Naturharzen. 1954 erste Monotypien. 1955
tritt er Asger Jorns Mouvement International pour un Bauhaus Imaginiste [M.I.B.I.]
bei. Gründung des Laboratorio Sperimentale, operative Zentrale des M.I.B.I.
in Alba durch Jorn, Gallizio und Simondo. Gallizio proklamiert die absolute
Freiheit des Forschens im Sinne Asger Jorns. 1955 - 1957 experimentelle
Leinwandbilder mit Rost, Harzen, Sand, Kohle und Vinavil. Bemalt Sackleinwände
mit Öl- und Erdfarben. 1956 Gründung der Zeitung
Eristica. I. Weltkongress der freien Künstler in Alba, organisiert von
den Mitgliedern des M.I.B.I. Jorn, Gallizio, Simondo, Ettore Sottsass jr. und
Elena Verrone. Bei seinem Aufenthalt in Alba setzt Constant den Grundstock zu
seinem Werkkomplex New Babylon. 1957 ist Gallizio Gründungsmitglied
der Situationistischen Internationale [S.I.]. 1958 Entwicklung
der Industriellen Malerei, bei der lange Leinwandrollen in verschiedensten,
teils experimentellen Techniken bemalt und bearbeitet werden (Sprühpistolen,
Explosion von Pigmentsäckchen, Druckverfahren etc.) Erste Ausstellung der
Pittura industriale in der Galleria Notizie, Turin: 12m lange Leinwand mit wetterresistenten
Harzen außen, 70 m Malerei Leinwand teils auf Rollen gewickelt, teils
ausgerollt im Innenraum. Dazu Einsatz von in Pittura industriale gehüllten
Mannequins, von Geruchsstoffen und interaktiven Soundelementen. 1959
Ausstellung der Pittura industriale in der Galerie van de Loo, München,
parallel zur 3. Konferenz der S.I. in München. Die Rollen werden als Meterware
für 40-70 Mark/Meter angeboten. Im Mai Ausstellung in der Galerie Drouin,
Paris: Rauminstallation mit 145 qm abgedeckter Wandfläche. 1960
Ausstellung der Pittura industriale im Stedelijk Museum in Amsterdam. In der
Galleria Notizie, Turin, Ausstellung des Gibigianna-Zyklus’, einer Folge
von acht Bildern zur „traurigen und tränenreichen Geschichte des
Pfeifenkönigs“. 1962 Gibigianna-Ausstellung bei
van de Loo in München. 1963/64 reduziert Gallizio sein
Farbspektrum auf dunkle, dann ausschließlich schwarze Farbtöne. Kurz
vor seinem überraschenden Tod im Februar 1962 baut er in seinem Atelier
die Anticamera della morte auf, eine Rauminstallation aus mit schwarzem Ruß
überzogenen Gegenständen. Kurz nach seinem Tod ist er mit einem eigenen
Saal auf der Biennale in Venedig vertreten. 1984 Retrospektive
in Alba. 2000 erscheint ein umfassend recherchiertes Werkverzeichnis. 2007 GAM, Galleria Civica d'Arte Moderna e Contemporanea, Turin. Galerie Marie-José van de Loo, München.
